Donnerstag, 30. April 2020

Die Nacht des Grauens - Zwei Katzen, kein Schlaf

Ich bekam in der Vergangenheit schon mehrmals die Frage, wann es denn wieder „Katzen-Content“ gäbe. Lange Zeit ist nichts passiert, was sich zum Verschreibseln anbot. Das hat sich geändert – zu meinen Ungunsten…

Zur Vorgeschichte:

Ich habe zwei Katzen: Schnotti (chronischer Schnupfen) und Glimmer (Herzfehler). Letzten Montag lag ich gemütlich in meinem Bett und schaute Fernsehen, als Glimmer plötzlich alarmierende Geräusche von sich gab. Es klang, als würde sie zugleich husten und würgen müssen. Ich lief hin und sah, dass irgendetwas nicht stimmte. Also nahm ich sie zu mir ins Bett und streichelte sie, bis es langsam besser wurde. Diese Geräusche machten mir Angst, weil Glimmer herzkrank ist und Husten ein Zeichen dafür sein könnte, dass sich ihre Herzleistung verschlechtert hat. Um die Dramatik vorab aus der Geschichte zu nehmen: Ihr geht es gut. Ich habe sie ein paar Tage lang beobachtet und die Beschwerden kamen kein zweites Mal vor. Höchstwahrscheinlich hatte sie sich einfach nur verschluckt.

Dank meines liebenden, sich aufopfernden, tief mitfühlenden und jedes Leid der anderen als sein eigenes annehmenden Mutterherzens entschied ich mich natürlich und sicherheitshalber dazu, die Katzen ausnahmsweise bei mir schlafen zu lassen. Normalerweise dürfen sie den ganzen Tag in mein Schlafzimmer – nur nicht nachts! Das hat triftige Gründe, die mir auch in dieser Nacht nicht hätten deutlicher vor Augen geführt werden können...

Die besagte Nacht des Grauens - Eine Dokumentation

00:30 Uhr:
Ich bin bereit: Die Zähne sind angezogen, die Schlafsachen geputzt und ich bin müde. Glimmer ist seit ihrem Husten- und Würgeanfall unauffällig. Wie jeden Abend gebe ich ihr also ihre Herzmedikamente und schlürfe Richtung Bett. Die Katzen glotzen blöd, als ich die Tür hinter mir offen lasse. Ich glotze zurück, rolle mich Mumien-artig in die Decke, drehe mich auf die richtige Seite und mache das Licht aus.

00:31 Uhr:
Der Nachteil an Laminat- anstatt Teppichboden ist, dass er sehr geräuschempfindlich ist. Der Nachteil an Krallen ist, dass sie Geräusche verursachen, wenn sie über den Laminatboden tapsen. Die Katzen wuseln durchs Zimmer. Ich frage mich, wie groß der Raum ist, um in ihm so viele Schritte machen zu können. Außerdem überlege ich, was es denn nach acht Jahren im selben Haushalt noch zu erkunden gibt, weshalb man seine Pfotenabdrücke in scheinbar jede Ecke patschen muss. Inzwischen, so fällt mir auf, erkenne ich die jeweilige Katze sogar am Gang – was bei gerade einmal zwei Tieren wohl nicht ganz so spektakulär ist, wie es klingt.

00:40 Uhr:
Es raschelt. Und zwar raschelt es so, dass ich das Gefühl bekomme, es sei nicht gut, dass es raschelt. Nachdem ich fest entschlossen war, jedes weitere Geräusch zu ignorieren, bin ich mir nun absolut sicher, dass es nicht rascheln sollte. Also mache ich das Licht meines Nachttischlämpchens an und entdecke neben mir Glimmers Hintern, der aus dem Spalt zwischen Bett und Wand emporragt und im Begriff ist, in jenem vollends zu verschwinden. Ich stehe auf, rücke das Bett vor und hole die Katze aus der Verschluckungsfalle. Danach entdecke ich die leere Klebebandrolle, die mir beim Geschenke einpacken in die Lücke gefallen ist (als ich in einer depressiven Phase alles vom Bett aus gemacht habe) und nach der Glimmer nun scheinbar heldenhaft gefischt hat. Nachdem ich sie fragte, ob sie vergessen hat, warum sie beide heute bei mir schlafen dürfen, legt sie sich ans Fußende und lässt demonstrativ die Augen zufallen.

00:50 Uhr:
Schnotti hat sich auf meine Füße gestürzt. Sie mag es, Dinge zu jagen, die sich unter der Decke bewegen. Es war eine blöde Idee, dass ich hieraus mal ein Spiel gemacht habe und sie nun immer nach Füßen Ausschau hält, sobald sie aufs Bett springt. Ich bin wach.

00:55 Uhr:
Schnotti hat ihre Spielzeugmaus mit Glöckchen geholt und spielt Fangen, während ich mich frage, ob man für zwei chronisch kranke Katzen noch Geld verlangen könnte. Ich ahne allerdings, dass ich noch draufzahlen müsste und verwerfe den Gedanken wieder.

01:10 Uhr:
Ich höre Atem. Ich höre den Atem lauter. Ich spüre Atem. Mein Gesicht wird angeatmet und es kommen diese typischen Katzen-Tauben-Geräusche, die sich nicht anders beschreiben lassen, weil es irgendeine eigenartige Mischung aus Miauen und Taubengurren ist. Sie sind ein eindeutiges Zeichen für den Unterkuschelungsstatus dieser Katze. Kurz darauf steckt Schnotti ihr Gesicht in mein Gesicht und reibt sich. „Köpfeln“, heißt es auch. Ist ja wirklich ganz süß, wenn Katzen damit ihre Zuneigung zum Ausdruck bringen wollen, aber doch bitte nicht mitten in der Nacht.

01:25 Uhr:
Nachdem sich Schnotti millionenfach um die eigene Achse gedreht hat, um die richtige Liegeposition zu finden, muss ich sie nun dauerkraulen, damit sie nicht wieder mit dieser nervigen Kopfreiberei anfängt. Ich kann nicht schlafen, wenn ich streicheln muss.

01:50 Uhr:
Die Katze musste niesen. Ich habe mich zu Tode erschrocken und Glimmer hat sich zu Tode erschrocken, weil ich mich zu Tode erschrocken habe. Schnotti ist aufgesprungen, weil es sich im Liegen nicht gut niesen lässt. Ich muss aufstehen, um mich zu waschen und stelle danach fest, dass ich nun wirklich richtig wach bin.

01:53 Uhr:
Zwar spricht das Folgende nicht für die Intelligenz dieser Katze, doch ich kann an dieser Stelle einfach nicht unerwähnt lassen, dass ihr etwas sehr, sehr Dummes passiert ist: Nach ihrer Niesattacke musste Schnotti sich ausgiebig putzen. Als sie mit ihrer Pfote den Schwanz festhalten wollte, um sich auch dort zu säubern, ist sie mit der Kralle ihrer Vorderpfote in ihrer Haut hängengeblieben. Sie war mit ihrem Schwanz im wahrsten Sinne des Wortes fest verbunden. Nachdem ich der panischen Katze vorsichtig die Kralle aus der Haut gezogen hatte, bekam ich minutenlang immer wiederkehrende, schwere Lachkrämpfe (ich muss heute noch lachen, wenn ich daran denke).

02:45 Uhr:
Während ich noch eine Serienfolge bei Netflix geschaut habe, sind beide Katzen zur Ruhe gekommen und liegen schlafend in meinem Bett. Ich starte den nächsten Versuch.

03:15 Uhr:
Schnotti hat Glimmer auf den Kopf gehauen. Dieses Szenario habe ich im Dunkeln zwar nicht sehen können, doch erkenne ich es inzwischen allein am Geräusch, da es immer gleich abläuft: Glimmer berührt Schnotti versehentlich, Schnotti springt auf und haut Glimmer mit der Pfote auf den Kopf. Für eine kurze Zeit fuchteln beide mit den Vorderpfoten. Danach beginnt Schnotti zu starren, ähnlich wie in diesem Bild...


...und Glimmer glotzt verstrahlt durch die Gegend, um zu schlichten. In der Regel springt Schnotti im Anschluss vom Bett und sucht sich Dummheiten, die sie anstellen könnte. Oder beide beginnen, Fangen zu spielen. Schnotti hat sich für die Klimper-Maus entschieden.

03:40 Uhr:
Wiederholung des Szenarios von 01:25 Uhr.

04:20 Uhr:
Es geschehen noch Wunder. Ich konnte mich auf die andere Seite drehen, ohne dass Katze Nummer 1 empört aufsprang, und Katze Nummer 2 schläft am Fußende. Mir bleiben ungefähr 20 cm der Matratzenbreite, um nicht aus dem Bett zu fallen.

04:25 Uhr:
Ich bin aus dem Bett gefallen.

04:35 Uhr:
Genervt überlege ich, ob ich nicht einfach wach bleiben sollte. Mein Gewissen erlaubt es mir nicht, die bereits seit Stunden unauffällige Glimmer aus meiner Beobachtung zu nehmen und Schnotti treibt mich in den Wahnsinn, wenn ich nur vorsichtig ans Schlafen denke.

04:45 Uhr:
Nach reiflicher Überlegung habe ich ein Machtwort gesprochen und sämtliche Spielzeuge für Katzenkinder unzugänglich gemacht. Danach habe ich Schnotti in den Schlaf gestreichelt und mir zuvor ausreichend Platz im Bett gesichert. Glimmer hat sich auf den Sessel im Erker gelegt und schläft. Ich muss auch schlafen, bevor es hell wird.

05:00 Uhr:
Ich habe versehentlich meinen Fuß bewegt…