Dienstag, 16. April 2019

Bevor es zu spät ist...

Der folgende Text ist eine Warnung. Eine Warnung an jeden, der denkt, Probleme lösen sich von allein und die Zeit heilt alle Wunden. Vielleicht wäre mir einiges erspart geblieben, wenn man mich früher gewarnt hätte. Wenn man mir anhand eines greifbaren, negativen Beispiels gezeigt hätte, wie es einem ergehen kann – vorausgesetzt, ich wäre damals reflektiert genug gewesen, um diese Warnung dann auch anzunehmen und mit ihr zu arbeiten.

Ein Arzttermin jagt den nächsten...

In den letzten Wochen hatte ich eine Vielzahl an Arztterminen. Ich war beim Endokrinologen, Gastroenterologen, Gynäkologen. Alles nur, weil schon wieder neue Symptome dazugekommen sind. Symptome, die sich nun durch eine Diagnose erklären lassen: Insulinresistenz. Das Insulin ist ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und die Aufgabe hat, den Blutzuckerspiegel zu senken. Bei einer Insulinresistenz kann dieses Hormon nicht mehr richtig wirken, die körpereigenen Zellen reagieren auf dieses nicht mehr sensibel. Das bedeutet, dass Zucker nicht mehr verstoffwechselt und von der Leber in Fett umgewandelt wird. Deshalb ist die Gefahr groß, in der Folge an Diabetes zu erkranken.

Die Arzthelferin, die das Vorgespräch mit mir in meiner Frauenarztpraxis geführt hat, wollte einiges von mir wissen und hat sich lange mit mir unterhalten. Mein Blutdruck war 140/110, obwohl ich Medikamente gegen Hypertonie einnehme. Nun muss ich schon wieder zu meiner Hausärztin, denn Bluthochdruck kann gefährlich werden.
Nachdem sie alle Vorerkrankungen vermerkt hatte, sagte sie mir dann besorgt:
Meine Güte, da haben Sie ja ein ganz schön großes Paket zu tragen. Sie sind doch noch so jung...“ Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. So nachdenklich, dass ich mir daraufhin noch am selben Abend alle meine diagnostizierten Erkrankungen notiert habe, um mir einen Überblick für all das zu schaffen, was sich inzwischen angesammelt hat. Das Ergebnis ist erschreckend: Ich habe 14 Diagnosen. 14! Und ich bin erst 27 Jahre alt…

Aus einem Teufelskreis lässt sich nur schwer ausbrechen

Welche Diagnosen das sind, darum soll es hier nicht gehen. Was ich aber sagen möchte: Fast alle Erkrankungen resultieren aus meiner schlechten psychischen Verfassung, denn durch diese begab ich mich unfreiwillig in einen Teufelskreis.
Um ein Beispiel zu nennen:
Mir ging es nicht gut → ich habe aus Frust gegessen → ich wurde schon in meiner frühen Jugend übergewichtig → ich war unzufrieden mit mir selbst und besaß kaum noch Selbstbewusstsein → aufgrund der psychischen Verfassung und der schlechten Ernährung entwickelte sich Bluthochdruck → die Medikamente schwächten meine Leber → ich leide seit Jahren unter einem schweren Reizdarm-Syndrom, durch das ich inzwischen noch nicht mal mehr angstfrei einkaufen gehen kann.

Fast alle meine Erkrankungen hängen irgendwie miteinander zusammen. Dass es inzwischen so viele sind, ist auch für mich erschreckend. Einige davon, das muss ich mir eingestehen, sind nicht mehr reversibel. Hätte ich einen Kinderwunsch, so würde dieser definitiv erschwert sein. Meine Frauenärztin sagte mir zudem, dass es im Falle einer Schwangerschaft zu einer sogenannten „Risiko-Schwangerschaft“ käme. Auf der einen Seite kann ich also froh sein, keinen Kinderwunsch zu haben. Auf der anderen Seite hat auch das mit meinen Erkrankungen zu tun – denn ich sehe mich nicht in der Lage dazu, jemals die Verantwortung für einen kleinen Menschen zu übernehmen. Dazu bin ich mittlerweile, so hart das klingt, zu krank.

Macht nicht denselben Fehler!

Deshalb ist es mir nun besonders wichtig, zu warnen:

Interveniert, solange ihr noch könnt. Ich bin zwar nicht machtlos gegen jede einzelne Diagnose, die ich habe, aber die ein oder andere wird bleiben. Mein Körper wurde über Jahre so geschädigt, dass er sich an manchen Stellen nicht mehr regenerieren kann. Und je sehr ich ein Zurück auch wollte: Mit manchen Diagnosen muss ich lernen, zu leben.
Das alles wäre vielleicht nicht passiert, wenn ich früher gehandelt hätte. Diese Chance habe ich lange Zeit verpasst. Es bringt mir nichts mehr, mich dafür zu verurteilen. Ich kann die Vergangenheit nicht rückgängig machen. Aber ich kann die Zukunft beeinflussen. In den letzten vier Jahren habe ich so viel gelernt und bin reflektierter geworden. Wenn ich jetzt nur einen Menschen dazu bringen kann, einem ähnlichen Schicksal zu entgehen, dann würde mich das allein schon sehr glücklich machen. Denn wenn ich mir selbst schon zu spät geholfen habe, dann ist es doch wenigstens ein gutes Gefühl, jemand anderen davor zu bewahren.

Deshalb bitte ich jeden von euch darum, alles dafür zu tun, dass euch nicht Ähnliches passiert. Das lässt sich vermeiden, wenn es rechtzeitig passiert. Es kann noch so oft über die Auswirkungen einer kranken Psyche berichtet werden – es wird sich nichts ändern, wenn der betroffene Mensch nichts ändert. Ärzte klären auf, Betroffene schildern ihre Erfahrungen, Medien publizieren Informationen. All das wird nichts bewirken, wenn der Empfänger nicht reagiert. Hätte ich eher gehandelt, dann wäre ich einigen Folgeerkrankungen entgangen. Bitte macht nicht denselben Fehler.

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