Donnerstag, 29. März 2018

Kennst du das?

Kennst du das?

Wenn die Mauern hinauf zu den Wolken gehen
und du ihr Ende nicht erkennst
wenn dich die meisten nicht verstehen
obwohl du dich so nach Verständnis sehnst

Wenn deine Welt sich nicht mehr dreht
und die Angst dich droht zu lähmen
wenn die Zeit nicht weiter geht
und die Zeiger bloß noch stillstehen

Dann gib mir deine Hand
und wir gehen den Weg zusammen
bis die letzte Glut erlischt

Kennst du das?

Wenn dein Wille der Wahrheit unterliegt
und du nur hilflos vor ihr stehst
wenn Verzweiflung über Hoffnung siegt
und du nur weiter rückwärts gehst

Wenn Zeit zum Paradoxon wird
und Leben zur bloßen Existenz
wenn sich der Lebenssinn verirrt
und du dich selber nicht erkennst

Dann gib mir deine Hand
und wir gehen den Weg zusammen
bis die letzte Glut erlischt

Kennst du das?

Wenn Freude und Geborgenheit
Liebe, Spaß und Glück
als Synonym für Frust und Leid
an dessen traurige Stelle rückt

Wenn verzweifelte Gedanken
dich führen und begleiten
wenn sich Grautöne verankern
und dich Krankheit droht zu leiten

Dann gib mir deine Hand
und wir gehen den Weg zusammen
bis die letzte Glut erlischt

Kennst du das?

Wenn Strom durch deine Adern fließt
und jede Zelle rebelliert
wenn du Tränen nur vergießt
damit der Schmerz an Kraft verliert

Wenn der Tsunami dich erwischt
und du dich ihm tapfer entgegen stemmst
wenn das letzte Licht erlischt
doch du nur auf der Stelle rennst

Dann gib mir deine Hand
und wir gehen den Weg zusammen
bis die letzte Glut erlischt

Kennst du das?

Sonntag, 25. März 2018

Krankheitsakzeptanz – 5 Tipps, die eigene Erkrankung zu akzeptieren

Die Akzeptanz der eigenen Erkrankung ist oftmals kein einfacher Prozess. Gerade im Bereich der psychischen Erkrankungen, die immer wieder unter dem Einfluss von Vorurteilen stehen, ist dies ein schwieriges und umso wichtigeres Thema. Viele Menschen, die ich durch die Klinikaufenthalte kennenlernte, haben sich zu spät in Behandlung begeben, sodass sich die Erkrankung bereits verfestigen und verschlimmern konnte. Und auch ich hatte große Ängste, die mich jahrelang daran hinderten, überhaupt einen offenen Umgang damit zu finden.

5 Tipps, die eigene Erkrankung zu akzeptieren

Ich habe im Folgenden einige Punkte zusammengetragen, die bei der Akzeptanz helfen können:
  1. Selbstreflexion
    Sich selbst ganz genau zu beobachten ist sicherlich einer der ersten und unverzichtbaren Schritte, wenn es darum geht, zu akzeptieren. Die Fragen, die man sich dabei stellen könnte, sind z.B.:
    Was habe ich für Probleme?
    Wie beeinflussen diese Schwierigkeiten meinen Lebensalltag, meine Ziele und meine Lebensqualität?
    Schaffe ich mein Studium/meine Arbeit noch in einem akzeptablen Maß?
    Gibt es Dinge, die mir schwerer fallen als zuvor?
    Bin ich grundsätzlich zufrieden?
    Was bedeutet es für mich, krank zu sein?
    Es geht also damit los, sich einzugestehen, überhaupt Probleme zu haben. Befindet man sich erst einmal in diesem teuflischen Verdrängungsprozess, so ist es sehr schwierig, aus dieser Spirale wieder auszusteigen. Ohne den Willen zur ganz bewussten Achtsamkeit und Ehrlichkeit mit sich selbst funktioniert es leider nicht – und das kann ein sehr anstrengender Prozess sein. Seid geduldig mit euch, es geht nicht von heute auf morgen!
  1. Informationen
    Kann man etwas wirklich akzeptieren, das man nicht versteht? Wichtig ist, sich Informationen über die Krankheit und deren Auswirkungen einzuholen. Dies geht auf vielen unterschiedlichen Wegen:
    • Bei Fachleuten: Es gibt verschiedene Anlaufstationen, die man wählen kann. Neben Psychotherapeuten und Psychiatern können auch viele Hausärzte bereits erste Hilfestellungen und Informationen geben. Die Telefonseelsorge (Tel. 0800-1110111 / 0800-1110222) bietet die Möglichkeit, zunächst einmal anonym mit Fachleuten zu telefonieren und sich beraten zu lassen. Zudem gibt es an vielen Universitäten oder Arbeitsplätzen einen psychologischen Dienst, bei dem man sich jederzeit Beratungsgespräche einholen kann.
    • Durch Fachliteratur: Es gibt unzählige Fachbücher, die viele Informationen über unterschiedlichste Krankheitsbilder geben. Auch gibt es einige biografische Bücher von Betroffenen, die ihre eigenen Erfahrungen beschrieben haben. Hier bekommt man nochmals eine ganz andere Perspektive und einen persönlicheren Einblick darauf, wie ein möglicher Krankheitsverlauf aussehen kann.
    • Durch das Internet: Das Internet beinhaltet zahlreiche Webseiten über Erkrankungen, Symptome, Verläufe und Therapiemöglichkeiten. Hier ist jedoch zu unterscheiden, wie seriös die jeweiligen Plattformen sind. Auch bei Selbstdiagnosen ist immer Vorsicht geboten – das Internet kann keine fachärztliche Diagnose ersetzen! Dennoch gibt es auch hier hilfreiche und gute Anlaufstellen, bei denen man sich informieren kann.
      (In einem anderen Beitrag habe ich mich mit der Frage beschäftigt: Wie entsteht eine Depression?)
  1. Unterstützung durch andere
    Sich Unterstützung und Hilfe durch Freunde oder Familienmitglieder zu holen, fällt nicht immer leicht. Hier können auch große Ängste mit hineinspielen, nicht verstanden oder nicht ernst genommen zu werden.
    Die Tatsache ist leider: Wir können die Reaktion unserer Mitmenschen nicht beeinflussen. Es kann sein, dass wir auf Unverständnis oder Ablehnung stoßen und dass wir nicht die Unterstützung erhalten, die wir uns erhofft haben. Leider ist das ein realistisches Risiko, das sich nicht ausschließen lässt.
    Dennoch können wir uns vorbereiten, bevor wir um Hilfe bitten:
    • Vortasten: Wir haben die Möglichkeit, uns langsam mit dem Thema an unser Gegenüber heranzutasten. Wie geht der andere damit um, wie offen ist er, hat er eine interessierte Gestik und Mimik, fragt er nach oder verhält er sich eher abblockend? Wenn wir auf eine verständnislose oder verharmlosende Reaktion stoßen, müssen wir uns ehrlich fragen, ob es uns gut tut, in eine Diskussion zu gehen oder die Person auf Biegen und Brechen zum Verständnis zu bewegen. Oft macht es Sinn, das Gespräch in eine andere Richtung verlaufen zu lassen und uns andere Personen zu suchen, die in der Lage sind, mehr Empathie für unsere Probleme aufzubringen.
    • Wünsche offen äußern: Erkennen wir grundsätzlich eine offene und interessierte Haltung bei der Person, ist es sinnvoll sich schon im Vorfeld überlegt zu haben, was man sich für eine Unterstützung wünscht und sich zu fragen:
      Was benötige ich momentan?
      Könnte man mich zu einem Arzttermin begleiten oder gemeinsam Informationen sammeln?
      Brauche ich Unterstützung bei der Gestaltung einer geregelten Tagesstruktur?
      Möchte ich öfter entlastende Gespräche führen?
      Denn Hilfe kann auch in eine schädliche Richtung gehen. Wenn man z.B. unter einer Angststörung leidet und die Unterstützung so aussieht, dass die angstauslösenden Situationen noch mehr vermieden werden, dann ist das nicht unbedingt auch die richtige Strategie, die Ängste und deren Ursachen sinnvoll zu bekämpfen. Hier ist es demnach auch wichtig, sich selbst zu beobachten und herauszufinden, was man in der derzeitigen Situation wirklich benötigt.
    • Informationen weitergeben: Wenn wir uns bereits vorher über die mögliche Erkrankung informiert haben, uns beobachtet haben, achtsam waren – dann hilft es auch der unterstützenden Person, mit der Situation so hilfreich wie möglich umgehen zu können!
    Neben Freunden und Angehörigen besteht natürlich noch die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Kontakt aufbauen lässt sich z.B. in Selbsthilfegruppen, Kliniken oder auch im Internet. Mir hat es damals sehr geholfen, mit Menschen zu sprechen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und die noch auf ganz anderer Ebene ein Verständnis für die jeweilige Situation mitbringen!
    1.  Eigene Einstellung
      Wenn wir uns selbst nicht erlauben, krank zu sein und Probleme zu haben, dann wird es unmöglich, die Krankheit zu akzeptieren. Hilfreich kann es sein, sich sogenannte „Ich darf...“-Sätze zu formulieren:
      Ich darf krank sein.
      Es darf mir momentan auch mal nicht gut gehen.
      Ich darf Hilfe annehmen.
      Ich darf geduldig mit mir sein.
      Ich darf auch rücksichtsvoll zu mir selbst sein.
      Ich darf mich und meinen Körper, meine Gedanken und meine Gefühle ernst nehmen.
      Eine wichtige Frage, die man sich stellen kann:
      Was habe ich davon, die Krankheit nicht zu akzeptieren?
      Mit der Akzeptanz beginnt erst die Möglichkeit, an den Problemen arbeiten zu können und etwas an der Situation zu verändern. Was passiert, wenn ich nichts verändere? Vielleicht ist es an dieser Stelle auch sinnvoll, sich das einmal aufzuschreiben.
       
    2. Diagnose
      Mir persönlich hat es sehr geholfen, als ich 2015 die Diagnosen bekommen habe. F32.2 – Schwere rezidivierende depressive Störung ohne psychotische Symptome. F34.1 – Dysthymie. Das bedeutete für mich: Ein Mediziner hat mir gesagt, dass ich eine Krankheit habe – der muss es doch wissen. Und das wiederum hat dazu beigetragen, stärker akzeptieren zu können, dass es momentan nun mal so ist, wie es ist.
    Auch ich befinde mich noch in diesem Prozess zur Akzeptanz – auch, wenn ich schon weit gekommen bin. Ich akzeptiere, psychisch krank zu sein. Das habe ich in den letzten Jahren gelernt. Womit ich mich noch immer schwertue: Zu akzeptieren, dass ich wahrscheinlich immer dazu neigen werde, ins Depressive zu verfallen. Dass ich das nie voll und ganz loswerde. Leider hat sich in der Therapiezeit herausgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit bei mir sehr hoch ist, auch in Zukunft immer wieder mit der Depression zu tun zu haben. Damit will ich keine Angst machen: Depressionen sind in der Regel sehr gut behandelbar. Der Verlauf ist nun mal bei jedem unterschiedlich. Für mich geht es nun unter anderem darum, zu akzeptieren, dass mich die Krankheit mein Leben lang begleiten wird – um dann daran zu arbeiten, dass sie mich nicht beherrscht!

    Ich hoffe, die Tipps können dem ein oder anderen helfen, zu akzeptieren – und vielleicht auch zu verändern.

    Donnerstag, 22. März 2018

    Wie entsteht eine Depression?

    Ich wurde bisher noch nicht oft gefragt, warum ich unter Depressionen leide. Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass die Frage nach dem Warum im öffentlichen Diskurs hinsichtlich psychischer Erkrankungen keine Rolle spielen sollte, wenn sie nur im subjektiven Rahmen einer einzelnen Person betrachtet wird - denn:
    1. Oftmals liegt der Depression kein alleiniger Auslöser zugrunde, sie kann selten auf nur eine einzige Ursache zurückgeführt werden. In der Regel sind es mehrere Faktoren, die an der Entstehung einer Depression beteiligt sind. Für einen Betroffenen ist es deshalb nahezu unmöglich, der Frage gerecht zu werden und eine Antwort zu geben, die tatsächlich zur Aufklärung beitragen kann.
    2. Die Gründe sagen nichts über die Schwere der Erkrankung aus. Gerade, weil psychische Krankheiten einen sehr individuellen Charakter haben, ist es im Sinne der Aufklärungsarbeit eine Gratwanderung, wenn es um die subjektiven Ursachen einer bestimmten Person geht – denn diese bilden auch immer die Grundlage für Vergleiche. Da Leidensdruck aber individuell und von Person zu Person unterschiedlich ist, dürfen psychische Erkrankungen meiner Meinung nach nicht verglichen werden.
    3. Die Depression ist eine sehr intime Erkrankung. Die Frage nach dem Warum betrifft immer das eigene Innenleben sowie nicht selten auch das direkte Personenumfeld. Es liegt im persönlichen Ermessen, wie viel man von sich preisgeben möchte.

    Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell - Stress und psychische Verletzlichkeit

    Nicht zu verwechseln hiermit ist jedoch die Kommunikation über allgemeine und mögliche Gründe, die mit der Entstehung einer Depression zusammenhängen können. Um die Depression zu verstehen, ist es natürlich wichtig zu wissen, welche Faktoren sie bedingen können. Solange die Kommunikation hierüber einen möglichst objektiven und breitgefächerten Charakter hat, nimmt man dem Menschen auch die Grundlage zum Vergleichen.

    Hilfreich finde ich das sogenannte Vulnerabilitäts-Stress-Modell. Die Vulnerabilität, also die psychische Verwundbarkeit, beschreibt dabei die Anfälligkeit eines Menschen, psychisch zu erkranken. Hierunter fallen innere und äußere Begebenheiten, die bei einem Menschen bereits vorherrschen, wie z.B. verankerte Werte und Normen, belastende Erfahrungen, genetische Veranlagung und Schwierigkeiten auf der Arbeit oder im sozialen Umfeld.
    Die individuelle Verletzlichkeit wird häufig mit einem Fass visualisiert, das bei jedem Menschen unterschiedlich schnell zum Überlaufen gebracht werden kann. Hat man eine erhöhte Vulnerabilität, so ist das Fass bereits stärker befüllt als bei jemanden, der eine niedrigere Verletzlichkeit hat. 
     




    Kommen nun stressige Ereignisse oder Lebensumstände hinzu, so neigt das Fass durch das geringe Fassungsvermögen bei Menschen mit hoher Vulnerabilität schneller zum Überlaufen – das Bild des Überlaufens symbolisiert demnach die Erkrankung an einer Depression.
    Was in diesem Modell nicht berücksichtigt wird, sind die Ressourcen, die ein Mensch hat und auf die er in stressigen Situationen zurückgreifen kann. Das können z.B. soziale Kontakte, ausgleichende Hobbys oder Dinge sein, die einem auf irgendeine Art und Weise wohltun. Je nachdem, wie viele Ressourcen man besitzt und welche Qualität diese haben, kann dadurch die Belastbarkeitsgrenze erhöht bzw. die Vulnerabilität verringert werden.

    Fazit: Es ist für jeden Menschen wichtig zu wissen, wie eine Depression entstehen kann und welche Faktoren eine Erkrankung begünstigen. Hierzu kann das Vulnerabilitäts-Stress-Modell eine verständliche Veranschaulichung sein, die im folgenden Video noch einmal eindrücklicher erklärt wird.
    Geht es um die individuelle Betrachtung im Rahmen der Aufklärungsarbeit und des öffentlichen Diskurses, so bin ich der Meinung, dass die Ursachenbetrachtung in erster Linie und unwillkürlich dazu führt, dass bewusste und unbewusste Vergleiche stattfinden – und das wiederum führt zu eben jenen Stigmen, die unbedingt ausgeräumt werden wollen. Die möglichen Ursachen einer Depression lassen nicht auch gleichzeitig auf die Schwere der Erkrankung schließen und rechtfertigen keine allgemeingültigen Annahmen über die Charakteristik einer Krankheit, die sich nur individuell richtig fassen lässt.

    Im folgenden Video erklärt Dipl. Psych. Ralf Adam noch einmal genauer, was es mit dem Modell auf sich hat und wie sich eine Depression entwickeln kann:


    Dienstag, 13. März 2018

    Hoffnung in der Depression

    Ein Text, der vor dem letzten Aufenthalt in der Tagesklinik entstanden ist...

    Der Wecker klingelt. Langsam öffne ich die verquollenen Augen. Die Sonne wirft ihre Strahlen sanft durch den dünnen Vorhang in mein Zimmer. Ich halte nicht sehr viel von ihr. Ihre Unbekümmertheit schnürt mir die Kehle zu und raubt mir jede Luft zum Atmen. Wie spät ist es? Es macht keinen Unterschied. Die Zeit ist wahnsinnig unbedeutend geworden. Und ich verstehe sie nicht. Sie verläuft zäh wie dickflüssiger, abgestandener Honig. Bitter, nicht süß. Es ist immer noch Dienstag. Doch auch das ist egal.

    Jeder Tag ist ein Kampf um Struktur. Mein Blick fällt auf den Wochenplan, den ich an einem guten Tag erstellt habe. Aufstehen, frühstücken, Haushalt, rausgehen, Freunde treffen. Duschen nicht vergessen. Selbstfürsorge. Heute ist kein guter Tag.

    Gestern habe ich Hoffnung bestellt, doch es scheint Lieferschwierigkeiten zu geben. Bunte Farben sind auch aus. Wo ist eigentlich der Sinn? Wie oft habe ich Geld für ein paar schöne Schuhe ausgegeben. Oder Schmuck. Oder ein angenehm duftendes Parfüm. Oder ein Smartphone.
    Heute würde ich all das wieder verkaufen, um ein bisschen Hoffnung zu bekommen. Was soll ich mit einer schönen Uhr, wenn Zeit keinen Wert und Leben keinen Sinn mehr hat? Verdammt, hat nicht irgendwer ein bisschen Sinn?!

    Katzenmiauen bahnt sich durch den Urwald der lethargischen Stille. Es zieht mich mit aller Kraft aus dem Bett und trägt mich in Richtung Küche. Vier schwarze Augen blicken erwartungsvoll zu mir hoch und signalisieren Hunger. Ich fülle zwei Näpfe mit Futter, lege mich auf den Boden und lausche dem wohligen Schmatzen. Dann Stille. Es kitzelt mich am Arm. Dann am Kopf. Lautes Schnurren dringt in mein Ohr. Etwas anderes steigt mir auf den Brustkorb und rammt mir die Krallen direkt ins Herz. Immer und immer wieder.
    „Hör auf zu kneten", murmle ich angestrengt und kraule den flauschigen Kopf. Sie legt sich hin, mit dem Kopf auf meinen Hals. Die andere schmiegt sich eng an meinen Körper. Ihr Schnurren lässt das Laminat vibrieren.

    „Na toll", sage ich, „ganz schön unbequem..."

    „Selbst Schuld", schnurrt es in mein Ohr, „du wolltest Sinn – hier hast du ihn."

    „Danke", flüstere ich nachdenklich und anerkennend.

    „Danke."

    (Unbequem ist es trotzdem...)

    Montag, 5. März 2018

    Das Märchen von der traurigen Traurigkeit

    Es war eine kleine alte Frau, die bei der zusammengekauerten Gestalt am Straßenrand stehen blieb. Das heißt, die Gestalt war eher körperlos, erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.