Sonntag, 3. April 2016

Gestörte kommen selten allein - Das Leben mit zwei undichten Katzen

Katzen sind, wollen wir mal sagen, nicht sehr depressionstauglich. Zumindest unsere.

Meine (beste) Mitbewohnerin (der Welt) und ich besitzen zwei vierjährige Tierheimkatzen, Schnotti und Glimmer.
Schnotti heißt Schnotti, weil sie chronischen Schnupfen hat. Und ihr glaubt nicht, was für Riesenflatschen beim Niesen aus solch einem kleinen Nasenloch kommen können. Ich freue mich immer besonders, wenn sie dann und wann in meinem Gesicht landen. Das ist in der Tat noch ekeliger, als es sich anhört. (Okay, meistens gehen wir beide rechtzeitig in Sicherheit, wenn sich popeliges Unheil ankündigt, aber manchmal lässt es sich halt nicht vermeiden.)

Die Gestörtheit des Schnottenkopfes ist grenzenlos.

Ansonsten haben die beiden eigentlich nur Blödsinn im Kopf. Schnotti ist ein wahres Biest, wenn sie ihre wilden 5-60 Minuten bekommt. Dann ist nichts mehr sicher: weder mein Schatten an der Wand, noch meine Füße unter der Bettdecke oder Glimmer. Es wird quasi alles gepiesackt, was sich bewegt. Und wenn sich gerade nichts bewegt, dann wird es beweglich gemacht, wenn auch mit roher Gewalt.

Wenn Schnottenkopf mal quengelig ist und genau JETZT die Aufmerksamkeit verlangt, die ihr verdammt noch mal zusteht, dann kann sie recht nervige Töne von sich geben. Und das so lange, bis ich ihr notgedrungen und das Gefiepse nicht länger ertragend diese Aufmerksamkeit gebe, meistens in Form von heftigem Schmusen. Wir reiben dann mit immenser Leidenschaft unsere Köpfe aneinander und kraulen und kneten was das Zeug hält. Andernfalls verfolgt sie mich auf Schritt und Tritt, sodass ich zumindest hinsichtlich dessen dem ganzen Im-Bett-Geliege doch noch etwas Positives abgewinnen kann. Beim Liegen kann ich wenigstens nicht stolpern.
Selbst zum Toilettengang würde sie liebend gerne mitkommen. Irgendwann tat ich ihr dann sogar den Gefallen. Hab sie gefragt, für wen das wohl schlimmer sein würde, für mich oder für sie. Sie sprang dann auf meine nackten Beine und fing an mit den Pfoten zu kneten. Das war folglich das erste und letzte Mal, dass sie mit reindurfte.

Die Gestörtheit des Glimmchens auch...

Glimmer wurde als Kitten von irgendwelchen Vollidioten schlecht behandelt, bevor sie ins Tierheim kam. Sie ist deshalb etwas schreckhaft und misstrauisch Fremden gegenüber, aber eigentlich total verschmust. In Wahrheit ist sie sogar schlimmer als jeder Hund, der mir je begegnet ist. Da könnte sich rund um die Uhr vor Genuss geräkelt und gerubbelt werden, sobald ich mit der Hand nur ansatzweise in ihre Nähe komme. Klingt niedlich, ist aber äußerst nervig.
Blöd nur, dass ich Tieren in der Regel keinen Gefallen ausschlagen kann. Deshalb bin ich dann, während ich im Bett vor mich hinvegetiere, mit einer Hand am Dauerkraulen - also wenigstens so ein bisschen aktiv.

Manchmal kommt Glimmer aber tatsächlich auch zur Ruhe und möchte schlafen. Am liebsten unter der Bettdecke - wenn sie sich trauen würde. Hab mich mal nichtsahnend ins Bett geworfen, als sie sich zuvor unbemerkt unter die Decke gekuschelt hatte. Das war vielleicht ein Schock...
Seidem taste ich alles ab, bevor ich mich noch mal unbedacht irgendwo draufwerfe. Und die Katze würde wahrscheinlich bei Minustemperaturen noch über der Decke ausharren.

Man könnte also behaupten, wir sind alle drei psychisch nicht so ganz auf der Höhe. Ich bin depressiv, Glimmer traumatisiert und Schnotti ist rundumgestört. Haben uns jetzt darauf geeinigt, dass meine Mitbewohnerin aus solidarischen Gründen auch etwas bekloppt ist. Aggressive Verhaltensstörung oder so, sie darf sich etwas aussuchen. Wir wollen ja nicht, dass sich jemand ausgeschlossen fühlt..

 
Schnotti und die Suche nach Füßen

Kommentare:

  1. Hallo Madeline,
    ich glaube, wenn jemand der nicht psychisch krank ist, diesen Beitrag liest, will er es spätestens jetzt werden (Scherz). Jedenfalls habe ich mich "krank" gelacht und es geht mir jetzt viel besser als eben noch.
    Will mehr davon!
    Ganz lieben Gruß
    Sabine

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    1. :D ich würde dann doch lieber vorschlagen, sich ein beklopptes Tier anzuschaffen. Die gibt's in rauen Mengen. Bei Interesse kann man Schnotti und Glimmer gern einmal ausprobieren - die sind jedoch unverkäuflich! ;-)

      Herzliche Grüße, Madeline

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