Donnerstag, 31. März 2016

Die Sache mit der Identität, wenn man depressiv ist...

Wer bin ich eigentlich? Was kann ich gut, was kann ich schlecht? Wie würde ich mich beschreiben? Was macht mir Spaß? Wo möchte ich mal arbeiten? Fragen, deren Antworten u.a. zur Identität gehören.
Die Identität stellt sozusagen den Barcode bzw. die Gesamtheit eines Individuums dar. Man sollte also meinen, jeder von uns würde eine solche besitzen. Ich bin mir da nicht so sicher.

Okay, ich weiß meinen Namen, weiß wo ich wohne und ich weiß was ich nicht kann. Reicht das nicht, um zu wissen, wer man ist?

Depressionen gehen oft mit einer Identitätskrise einher.

Experten sagen, zur Identität gehört mehr dazu, als nur zu wissen, was man nicht beherrscht. Und die müssen es ja wissen. Man sollte, wie bereits eingangs erwähnt, auch wissen, was man gut kann. Problem ist, dass das bei mir relativ wenig ist.
Ich bin wirklich, WIRKLICH der Meinung, dass es nicht viel gibt, das mir liegt. Aber da sagen die Experten wieder, dass das meine Depression ist, die mich das denken lässt. Oder besser: dass ich so denke, weil ich depressiv bin. Ach so.

Ich dachte zum Beispiel immer, ich könnte halbwegs gut schreiben. Merke jedoch gerade, dass ich auch das nicht gut kann. Zumindest nicht so, wie ich das von mir erwarten würde. Experten sagen, genau das ist das Problem: Wenn meine Erwartungen immer zu hoch sind oder ich sogar danach strebe, perfekt zu sein (obwohl das Erreichen dieses Zustands nicht mal möglich ist), dann werde ich letzten Endes zu dem Schluss kommen, gar nichts zu können, weil ich in keiner Hinsicht meiner Erwartung gerecht werde.
Das ist frustrierend. Und es macht etwas mit meinem Selbstbewusstsein, das sich inzwischen in einem kleinen Iglu am Nordpol verschanzt hat und nicht wieder rauskommt, bis ich weiß, wofür ich es brauche.

Wenn man mit sich und seiner Persönlichkeit im Reinen ist, dann nimmt man der Depression Nährboden zur Fortpflanzung.

Halten wir also fest: Wahrscheinlich werde ich wohl irgendetwas ganz gut können. Habe aber keine Ahnung, was. Bin auf Identitätssuche. Werde aufgrund dieser Erkenntnis noch depressiver.

Ich muss also irgendwo eine Identität herbekommen. Experten sagen, dass das für so eine Depression sehr ärgerlich ist, wenn man eine besäße. Was mir bei der Gelegenheit gerade einfällt:
Wollt ihr wissen, was man ist, wenn man jemand zu sein glaubt, der man nicht ist und man jemand ist, der man gar nicht sein will und auch nicht denkt, dass man derjenige ist?

Richtig, Donald Trump.

Erklärung: Donald Trump müsste sich meines Erachtens nach also gerade in einer Identitätskrise befinden, ohne es zu wissen. Er denkt, er wäre Meister Yoda, ist in Wahrheit aber Gollum.
Gut wäre, wenn jemand hinweisen ihn darauf würde. Vielleicht er finden seinen Schatz dann woanders.

Wie dem auch sei: Ich weiß nun also, dass ich nicht weiß, wer ich bin, was ich will und was mich ausmacht. Das ist widerrum nicht förderlich für mein Selbstbewusstsein. Ohne Selbstbewusstsein lobe ich mich zu selten (nie) und kritisiere mich zu oft (immer). Wenn ich mich ständig kritisiere und unter meinen Erwartungen bleibe, werde ich frustriert und unzufrieden. Diese Frustration macht mich noch depressiver, als ich es sowieso schon bin. Das frustriert mich wiederum.

Irgendwie kompliziert, diese Identität. Aber eins habe ich auch ohne diese komischen Experten gelernt: Besser, ich habe keine Identität, als die von Donald Trump.
Hmm. Das ist für heute doch eigentlich eine ganz gute Erkenntnis.

Kommentare:

  1. Eine wirklich tolle Seite :) Mal etwas anders erklärt, als das, was man so kennt.
    Deine Art zu schreiben und Dinge zu formulieren ist wirklich sehr angenehm. Am liebsten hätte ich heute schon noch mehr gelesen :-D und das sage ich nicht ,weil ich dich bewusst loben will, wegen der Depression ,sondern weil es Tatsache ist.Schon mal überlegt ein Buch zu schreiben ?

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  2. Vielen Dank für das liebe Kompliment! Die nächsten Posts stehen schon in den Startlöchern und werden die nächsten Tage folgen :-)

    Tatsächlich habe ich auch schon einmal überlegt, ein Buch zu schreiben. Das wäre ein Großprojekt, was ich für die nächsten Jahre im Hinterkopf behalten werde, das aber momentan leider noch nicht möglich ist.

    Dieser Blog ist für mich aber eine wunderbare Möglichkeit, wieder etwas zu machen, was mir Spaß macht und den ich zunächst ganz ohne großen Druck führen kann. Eine solche Aufgabe zu finden kann ich sowohl gesunden als auch psychisch kranken Menschen nur empfehlen.

    Solltest du auch eine Seite haben oder einen Blog betreiben, würde ich mich freuen, auch etwas von dir zu lesen :-)

    Viele Grüße
    Madeline

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  3. Wie ein beim Posten im Nirvana des WorldWideWeb verschwundener Kommentar zu einer existentiellen Krise führt...
    Hallo Madeline,
    ich hab vorhin schonmal einen Kommentar verfasst, weil mich Dein Blog, über den ich erst heute gestolpert bin, fasziniert. Ich wollte Dir sagen, wie toll ich es finde, dass Du so offen und mit Humor über all die Stolpersteine im Leben eines Depressiven schreiben kannst, auch wenn der Humor manchmal recht schwarz ist. Es gefällt mir gut und ich bin beeindruckt. Auch wenn ich das meiste des Geschriebenen sehr gut nachfühlen kann (es geht mir genau so), könnte ich es nie so treffend in Worte fassen.
    Tja, und nachdem mein Kommentar von vorhin (der viel besser war und auch das ausgedrückt hat, was ich zu sagen versuche) unwiederbringlich verschwunden war, hat mein Weg von Wut, die ich nicht rauslassen konnte, da ich nicht alleine war, über Resignation und Frustration bis hin zu 'ich kann nichts, ich bin nichts, ich bin zu unfähig für das Leben' geführt.

    Alles nur wegen eines Clicks, der nicht funktioniert hat... wow, wie bescheuert ist das denn bitte?

    Immerhin hab ich mich aufgerafft, nochmal zu schreiben, auch wenn das hier nicht annähernd an den ersten Versuch heranreicht. Und aus lauter Trotz poste ich es nun trotzdem, auch wenn ich es nicht mag.

    Dir lasse ich jedenfalls einen lieben Gruß da, und ich werde mich weiter durch Deine Posts lesen. Vielen Dank dafür!
    Tiara

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    1. Liebe Tiara,

      entschuldige die späte Antwort und vielen Dank, dass du diesen Kommentar trotzdem gepostet hast! Anhand deiner Schreibweise bin ich mir übrigens ziemlich sicher, dass du deine Gefühle viel besser in Worte ausdrücken könntest, als du glaubst ;-)

      Dass vermeintliche "Kleinigkeiten" zu einer inneren Krise führen können, kenne ich auch nur zu gut. Ich bin jedoch total beeindruckt, dass du den Frust und die Resignation für einen Moment zur Seite schieben und so toll beschreiben konntest, was in dir vorging. DAS ist keine Kleinigkeit!! Du bist sehr reflektiert :-)

      Oft ist es so, dass man aufgrund der Depression von vornherein ein erhöhtes Spannungsniveau hat. Wenn dann ein stressiges Ereignis dazu kommt, führt das sehr viel schneller zu einer seelischen Krise, als wenn das Spannungsniveau auf einem niedrigeren Level gewesen wäre. Dementsprechend finde ich es überhaupt nicht bescheuert, dass diese Gefühle bei dir aufkamen, im Gegenteil: Du hattest eine Ausgangslage, die die Reaktion total nachvollziehbar macht. Und du kannst stolz auf dich sein, dass du etwas Positives aus der Situation ziehen konntest, indem du total gut ausgedrückt hast, wie es dir ergangen ist. Ich mag deinen Post zumindest sehr! ;-)

      Ganz liebe Grüße
      Madeline

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    2. Hallo Madeline,

      vielen Dank für Deine lieben Worte. Ich hab mich sehr über die Antwort gefreut. Ich arbeite grad sehr fleißig an mir und hab sogar selbst zu bloggen angefangen... was mich daran erinnert, dass ich dringend mal wieder was schreiben sollte ;)

      Viele liebe Grüße
      Tiara

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    3. Hey Tiara,

      freut mich, dass du die Antwort noch mitbekommen hast! Ich würde mich freuen, wenn ich mal etwas von dir zu lesen bekomme!

      Ganz lieben Gruß
      Madeline

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    4. Hi Madeline,

      das bringt mich darauf, dass ich meinen noch neuen Blog schon wieder sträflich vernachlässigt habe und dringend mal wieder was schreiben sollte. Hmmm, viel gegrübelt in den letzten Tagen, da könnte einfach drauflosschreiben beim Sortieren helfen. Ich glaub, das probiere ich mal aus.

      Liebe Grüße
      Tiara

      P.S.:
      https://meinedepressionundich.blogspot.de/

      ;)

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