Freitag, 22. Dezember 2017

Eine Weihnachtsgeschichte

Das Jahr vergeht, die Zeit verrinnt,
die Straßen sind verschneit,
bald die Weihnachtszeit beginnt
und ich bin nicht bereit.

Erinnerung vom Schnee bedeckt
und doch so brennend heiß,
was das Jahr auch so versteckt,
Schwarz scheint durch das Weiß.

Hab viel gesehen und viel versäumt
und doch auch viel geschafft,
jetzt liegt die Welt, wie hingeträumt,
ein Schein, der Wahrheit dehnbar macht.

Weihnachten, wie auferlegt,
mit Werten rein und klar,
doch was nach Glück und Frieden strebt,
wird selten wunderbar.

23. Dezember, 23:47 Uhr

Google ist auch nicht mehr das, was es mal war, murmle ich wütend vor mich hin und grüble angestrengt, wo zum Teufel ich noch Weihnachtsgeschenke herbekommen könnte. Ins Handeln kommen, denke ich, das ist ganz, ganz wichtig. Ich existiere also ins Wohnzimmer hinüber und versuche, anhand einer Internet-Anleitung einen Weihnachtsstern zu basteln. Während die Katzen die herunter gepflückten Tannenbaumnadeln durch die Wohnung schieben, versuche ich, mit den Papierschnipseln den Mülleimer zu treffen. Die liegengebliebenen Reste forme ich alternativ zu einer Weihnachtskugel und hänge sie an den kahlen Tannenbaum. Weihnachten, beruhige ich mich, ist doch auch nur ein Tag wie jeder andere.

24. Dezember, 17:00 Uhr

Ich stehe auf. Nachdem ich 5 ½ Stunden darüber nachdachte, ob ich mir eventuell vorstellen könnte, aufstehen zu wollen, muss ich nun zum Klo. Jetzt bloß nicht wieder hinlegen, denke ich und zünde mir ein paar Duftkerzen an, um mich schon mal auf den bevorstehenden Abend einzustimmen. Rolf Zuckowski singt über die Weihnachtsbäckerei und ich hänge gequält über dem Waschbecken, um den Pandabären aus meinem Gesicht zu reiben. Ich bin zuversichtlich, dass sich dieser Zustand nur bessern kann.

24. Dezember, 18:15 Uhr

Der Tannenbaum brennt. Panisch schlendere ich mit dem Putzeimer zur Badewanne und überflute das Wohnzimmer. Gott sei Dank hat der Baum kaum noch Nadeln, denke ich und rutsche über den Laminatboden, um das Wasser aufzutrinken. Während ich noch sitze, überlege ich, wie ich ohne Leiter an die 3,50 Meter hohe Decke kommen könnte, um den Rauchmelder auszuschalten. Ich könnte etwas werfen, doch mir fällt nur eine der beiden Katzen ein. Keine gute Idee. Springen auch nicht.

24. Dezember, 18:58 Uhr

Es klingelt. Die Vermieterin, die Feuerwehr und meine Familie stehen vor der Tür. Um 18 Uhr sollte das Weihnachtsessen bei meinen Eltern beginnen. Vorwürfe, darauf habe ich nun überhaupt keine Lust, denke ich und singe spontan „O du Fröhliche“, um die Gemüter zu beruhigen. Funktioniert nur mittelmäßig.

24. Dezember, 19:35 Uhr

Ich bin bei meinen Eltern. „Irgendetwas riecht hier verbrannt“, bemerkt mein Opa besorgt. Ich nicke zustimmend und parfümiere mich heimlich. Dann Bescherung. „Ein paar meiner Geschenke sind leicht verkohlt“, entschuldige ich mich und bin froh, eine gute Begründung zu haben. „Kein Problem“, sagt mein Opa, „das Wichtigste ist doch, das wir zusammen sind...“
Mein Puls erhöht sich, das Herz wird warm. Weihnachten, was bist du denn eigentlich? Scheinheilig gibst du vor, etwas Besonderes zu sein. Als wärst du unantastbar und unveränderlich. Die Realität ist eingehüllt in bunter Zuckerwatte und der Lebenszug macht Rast in der Traumlandschaft. Ich lasse mich nicht täuschen. Nein, das werde ich nicht.

24. Dezember, 21:00 Uhr

Wir grölen Weihnachtslieder und spielen Spiele, die mir am nächsten Tag mit ziemlicher Sicherheit sehr unangenehm sein werden. Ich komme nicht umhin, das irgendwie gut zu finden.

25. Dezember, 00:00 Uhr

Ich liege im Bett und lasse den Tag in Gedanken Revue passieren. Vielleicht, denke ich, gibt Weihnachten gar nicht vor, etwas Bestimmtes zu sein. Vielleicht ist Weihnachten auch einfach nur eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit, Momente zu erleben, die real sind und deren Sinn es ist, sie zuzulassen und zu spüren, ohne sie zu hinterfragen. Und so schlafe ich ein – mit einem freundlichen Gefühl und ohne Erwartungen an die Weihnachtstage, die vielleicht nichts anderes sein wollen, als ein Angebot zum friedlichen Beisammensein.

Das Jahr vergangen, die Zeit verrannt,
Stress legt sich langsam nieder,
und jetzt schon warnt mich mein Verstand:
Weihnachten kommt wieder.

Jährlich eine Möglichkeit,
gut versteckt und kaum zu sehen,
doch langsam ist es an der Zeit,
anders damit umzugehen.

Angst zu haben ist okay,
das darf ich mir erlauben.
Wichtig ist, dass ich versteh‘
und lerne, dran zu glauben,
dass Weihnachten auch mehr sein kann,
als immerzu nur schlecht,
doch nur, wenn man sich irgendwann
die Möglichkeit auch offen lässt.

Und wenn‘s dann doch beschissen war,
dann erinnere ich mich daran,
dass schon bald, in einem Jahr,
alles anders werden kann.

Frohe Weihnachten :-)

Montag, 9. Oktober 2017

Der internationale Tag der seelischen Gesundheit 2017

Heute, am 10. Oktober 2017, ist Welttag der geistigen Gesundheit. Für viele ein Tag wie jeder andere, für mich eine Erinnerung.

Dass mentale Gesundheit und psychische Erkrankungen zu einem Diskurs geworden sind, der nicht mehr nur gemieden wird, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Zahlreiche Artikel und Beiträge der letzten Monate stellten heraus, dass psychische Krankheiten immer häufiger die Ursache für Arbeitsunfähigkeitsmeldungen und Beratungsbesuche beim Arzt sind. Es ist mitunter erschreckend, wie viele Menschen heutzutage mit eben solchen mentalen Problemen zu tun haben, die den Alltag und die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Ein Thema, das gesellschaftlich mehr als aktuell und relevant ist.

Dienstag, 19. September 2017

Depressionen: Die besten Blogs 2017

In einem Beitrag hat MyTherapy Learning to live: Depressionen – Leben will gelernt sein zu einem der besten Blogs 2017 zum Thema Depressionen gekürt. Nun sitze ich hier, mit rotem Party-Hütchen und bunter Tröte, und begreife, dass es Menschen geben muss, die Bedeutung in meinen Worten finden. Das ist, so sage ich mir, ja gar nicht mal so übel. 
 

Veränderungen sind manchmal notwendig - "Learning to live" als neuer Blogname

Wie sich unschwer erkennen lässt, sieht hier auf einmal alles ziemlich anders aus. Ich habe mich innerhalb der letzten Tage und Wochen für ein paar Veränderungen entschieden - zumindest in Hinsicht auf diesen Blog. Die wichtigste zuerst:

"Lebenssatt" hat einen neuen Namen!

Ja, mir ist durchaus bewusst, dass es bessere Einfälle gibt, als den Namen eines bestehenden Blogs zu ändern. Und doch fühlte sich „Lebenssatt“ immer mehr wie eine Zwangsjacke an, die dem Blog sowohl thematisch als auch gefühlsmäßig einen nicht gewollten Stempel aufsetzt – und dieser hat mit der Zeit ordentlich angefangen zu jucken. Oder anders gesagt: „Ich kann so nicht arbeiten!“ :-P

Nach reichlich Überlegungen habe ich mich also für einen neuen Namen mit neuer Domain entschieden:

Learning to live!

Learning to live beschreibt eigentlich genau das, was ich und sicher auch viele andere Betroffene versuchen zu tun: Wieder zu leben bzw. aktiv am Leben teilzunehmen. Und „zu leben“ ist doch so komplex, dass es sich nach unendlich vielen Möglichkeiten anfühlt, sich auf dieser Plattform thematisch damit zu beschäftigen. Das bedeutet auch, dass sich inhaltlich Raum auftut, um allgemein das Thema „Mentale Gesundheit“ zu behandeln, anstatt einzig und allein beim Thema „Depression“ zu verharren. Zwar hatte ich diesen Raum an sich auch schon vorher, aber mit einem Tapetenwechsel und der richtigen Farbwahl wirkt dieser doch gleich schon viel größer! ;-)
Die alte Domain funktioniert auch immer noch, allerdings wird man automatisch zur neuen Adresse weitergeleitet. Dennoch hoffe ich, dass möglichst viele sich kurz Zeit nehmen und die Seite unter dem neuen Namen abspeichern!

Wenn ich aber schon einmal so etwas Essentielles wie den Blognamen ändere, dann gehört da definitiv noch mehr zu:

Der Blog hat ein neues Design! 

Heller, schlichter, offener, freundlicher – das war zumindest der Gedanke dahinter. Da ich aber von Design ähnlich viel Ahnung habe wie von Quantenmechanik, werde ich wahrscheinlich immer mal wieder etwas tüfteln, ausprobieren und kleine Veränderungen vornehmen, die optisch jedoch nicht mehr allzu sehr ins Gewicht fallen dürften. Eines muss ich aber loswerden: Es sieht definitiv nach weniger Arbeit aus, als es letzten Endes war! Wenn Kleinigkeiten Stunden dauern, dann kann das zu wahren Tobsuchtsanfällen führen...

Neben dem neuen Namen und dem Design, gibt es noch eine kleine Neuerung:

Es gibt ein festes Logo!

Diesen Speckstein in Herzform habe ich vor zwei Jahren von einer guten Freundin geschenkt bekommen, die ich in der Tagesklinik kennengelernt habe. Seitdem ist er immer mit am Start - höchste Zeit, dass er seinen Platz nun auch in der Blogosphäre bekommt!

Mal schauen, wie es nun weitergeht. Ich möchte u.a. gerne meine eigene Zitate-Sammlung erstellen - mit diesem fange ich an:

"The worst prison would be a closed heart." (John Paul ll)

Montag, 24. Juli 2017

Chester Bennington - Eine Offenbarung anderer Art

Chester Bennington, Linkin Park Frontman, hat sich letzte Woche erhängt. Das wissen wir inzwischen alle. Und ich bin schockiert.


Ja, ich bin schockiert. Jedoch nicht darüber, dass sich Chester Bennington das Leben genommen hat. Die Nachricht, die letzte Woche durch die ganze Medienlandschaft wanderte, machte mich betroffen und traurig. Doch die Tatsache, dass der Linkin Park Frontman sein Ende selbst wählte, schockiert mich nicht. Wieso auch? Wer einen Blick in die Biografie des Sängers wirft, dem dürfte die Überraschung schnell aus dem Gesicht weichen. Missbrauch, Alkohol, Drogen, Depressionen. Alles eng miteinander verknüpft. Chester Bennington muss ein sehr unglücklicher und schwer kranker Mensch gewesen sein. Mir tut dieser Teil seiner Geschichte sehr leid.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Zwei Welten - Eine Entscheidung

Kerzenlicht im Untergrund
Dort oben ist eine Fläche. Ebenerdig, ohne Geröll. Solch viele Stimmen, dass der Lärm unerträglich scheint. Jede Stufe hinauf ist ein Schritt in ungewisse Welten. Das Licht wird heller und brennt in den Augen, die Menschen trampeln, die Fläche bebt. Vorsichtig betrete ich das Neuland. Die Füße haften am Boden als wären sie von Leim bedeckt. Ich werde von hinten gestoßen und falle auf schillernde Härte. Sie treten auf mich, als würde ich nicht existieren. Sie scheren sich nicht um mich. Ich bin bloß ein Abbild der Bedeutungslosigkeit. Sie scheren sich um niemanden.

Freitag, 21. April 2017

Grinsen für den guten Zweck - Kleine Dinge, große Auswirkungen

Manchmal führt auch ein kleiner Tropfen zu einer großen Welle


Gerade denke ich an einen Vortragsausschnitt von Vera F. Birkenbihl, einer bereits verstorbenen deutschen Managementtrainerin und Sachbuchautorin. In diesem YouTube-Hit erklärt sie, dass Lachen extrem gut für das Immunsystem sei und bereits nach wenigen Sekunden dafür sorgt, dass Glückshormone hervorgerufen werden. Wenn wir nun aber ärgerlich sind und aktuell so überhaupt keine Lust haben, irgendetwas witzig zu finden, dann können wir unser System austricksen, indem wir mindestens 60 Sekunden am Stück lächeln – dadurch drücken die involvierten Muskeln auf die Nerven, die dem Gehirn weitergeben, dass wir uns angeblich in diesem Moment freuen. Da ich sowieso gerade furchtbar miesepetrig in der Gegend herumsitze, scheint das zumindest einen Versuch wert zu sein.

Montag, 10. April 2017

Die Schönheit des Frühlings

Momentan überfällt mich die große Lust, zu fotografieren. Deshalb fragte ich mich letztens, ob nicht das Frühlingswetter Inspiration sein könnte. Aber wenn das so wäre, dann hätte sich die Frage bereits erübrigt. Inspiration kommt nicht, indem man nach ihr fragt. Sie kommt unaufgefordert und spontan. Wenn man aber Schwierigkeiten hat, das Schöne in den Dingen zu erkennen, dann fällt es auch schwer, sich inspirieren zu lassen.

Dienstag, 28. März 2017

Weltgesundheitstag

Am 7. April ist Weltgesundheitstag. Jedes Jahr legt die Weltgesundheitsorganisation für dieses Datum ein Thema von globaler Relevanz fest - und 2017 steht die Depression im Vordergrund.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Antidepressiva - Ein Für und Wider

Ganz ehrlich: Ich hatte so gar keine Lust, einen neuen Artikel zu schreiben. Die letzten eineinhalb Wochen waren mitunter eine mittelschwere Katastrophe. Am schlimmsten waren jedoch die Absetzerscheinungen, die ich aufgrund eines Medikamentenwechsels hatte. Da ich das Thema aber für unglaublich wichtig halte, bekam ich einen unausweichlichen inneren Drang, mich doch an die Tasten zu begeben...